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Ort |
Schönberg |
| Gemeinde | Stadt Miesbach |
| Kataster-Nr. | MB_MI_01 |
| Literaturhinweise |
Der Erdstall, Heft 9, Seite 122 Dieter Ahlborn 2010 Peter Beilner 2001 |
| Aufnahme | |
| Koordinaten | 47,77204 11,80564 |
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Denkmal-Nummer |
D-1-8236-0006 |
| Kategorie | Erdstall wahrscheinllich |
| Fotos | (keine) |
| Zeichnung |
(keine) |
Erdstall Schönberg - Stadt Miesbach - Landkreis Miesbach
Der Erdstall ist unter der Denkmal-Nr. D-1-8236-0006 im Denkmalatlas 2.0 erfasst mit dem Hinweis „Erdstall des hohen Mittelalters“.
Der Erdstall 9, S. 122
Der Erdstall 36, Register Erdställe
In der Inventarisation der Bodendenkmäler Bayerns 1989 ist nicht erwähnt, dass es sich um einen Erdstall handelt.
Denkmalatlas 2.0 Luftbild
Denkmalatlas 2.0 Hist. Karte
Landkreis: Miesbach
Gemeinde: Stadt Miesbach
Ort: Schönberg
Datum letzte Änderung: 20.06.10
In Schönberg bei Miesbach ist ein Erdstall nachgewiesen, siehe Auszug aus dem Kulturführer von Alexander Langheiter.
Hinweis:
Nahe Schönberg heißt eine Hofstelle Ratzenlehen.
Zu erledigen:
Evtl. Bild von der Hofstelle und Aufsatz für das Jahresheft.
Auszug:
Der Zweihöfeweiler Schönberg ist vermutlich einer der ältesten Siedlungsstellen im
Stadtgebiet. Hier führte in früheren Zeiten die Straße von Miesbach nach Gmund und
Tegernsee vorbei als eine Abzweigung der uralten ostwestlichen Alpenrandstraße. Es gibt
Mutmaßungen, dass sich weiter westlich bei Gieshof (→ Gieshof 38) eine frühgeschichtliche
Siedlungsstelle befunden haben könnte. Der Erdstall unter dem Hof Unterschönberg lässt auf
eine Besiedelung schließen, die zumindest in der Völkerwanderungszeit schon Bestand hatte.
Erdställe, auch Schrazellöcher genannt, sind künstlich geschaffene unterirdische Gangsysteme
oder Höhlen. Sie entstanden vornehmlich in Gegenden, in denen keine natürlichen Höhlen
vorkommen, außerdem wurde meist eine hervorgehobene Lage innerhalb der Landschaft
gesucht, Bedingungen die Schönberg erfüllte. Die Verbreitung solcher Anlagen ist für weite
Teile Mitteleuropas bekannt, ebenso für Dänemark, die britischen Inseln, Spanien und
Frankreich. Das östlichste Vorkommen ist in Rumänien. Eines der bekannteren Zentren ist
das österreichische Weinviertel, während in Deutschland das Alpenvorland zu den
bedeutenden Gebieten gehört. Die Erforschung der Erdställe wurde bisher von der
Wissenschaft vernachlässigt, sodass man über ihre Nutzung und ihr Alter nur Andeutungen
machen kann. Vermutlich waren sie Fluchtstätten oder Aufbewahrungsorte für Wertsachen.
Sehr glaubhaft ist eine kultische Nutzung, vergleichbar den höhlenartigen
Mithrasheiligtümern. In diesen Zusammenhang gehört auch die Annahme, dass die Erdställe
sog. Leergräber seien, die während der Völkerwanderungszeit von den durchziehenden
Volksstämmen für ihre zurückgelassenen Ahnen angelegt wurden.
Im näheren Umkreis von Miesbach befinden sich noch weitere Erdställe, darunter der
bekannteste unter der Allerheiligenkapelle in Reichersdorf (Gemeinde Irschenberg).
Gangsysteme wohl jüngeren Alters sind auch für Wallenburg (→ Wallenburg) und zwischen
der verschwundenen Burg Miesbach (→ bei Rosenheimer Str. 4) und dem ehem. Postgasthof
(→ Stadtplatz 15) anzunehmen.
Für die Erdställe im Alpenvorland wird allgemein eine Entstehung in der zweiten
Rodungswelle im 8. Jahrhundert angenommen, könnte aber bereits früher anzusiedeln sein.
Wahrscheinlich waren die Erdställe schon von Anbeginn überbaut. So erhebt sich auch in
Schönberg noch heute der Hof über dem frühmittelalterlichen Relikt. Gemäß seiner
außergewöhnlichen Funktion als Flucht- oder Kultstätte war der Hof vermutlich im Mittelalter
ein befestigter Ansitz. Diese Annahme wird durch zahlreiche Mauer- und Stollenfunde in
Schönberg und Reit genährt. Außerdem soll sich der Überlieferung nach in Reit ein zum
Anwesen Schönberg gehörender Turm befunden haben. Zudem hatten die Schönberger, die
noch heute auf dem Anwesen sitzen, im Spätmittelalter ein hohes Ansehen. Anfang des 16.
Jahrhunderts war Jörg Schönberger Vogteirichter in Schliersee, ein Amt das einem einfachen
Bauern nicht übertragen wurde. Bis zur Säkularisation gehörte der Hof zunächst zum Stift
Schliersee und kam mit diesem 1493 an das Liebfrauenstift in München. Der Erdstall in
Schönberg war zuletzt ein einfacher Höhlenraum, der vermutlich früher mit den gefundenen
Stollenanlagen verbunden war. Vor wenigen Jahren stürzte der Erdstall leider zu einem großen
Teil ein und ist heute nur mehr wenig kenntlich.
(Langheiter, Alexander: Miesbach – Ein Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2006. S. 193-194. Erdstall, Schönberg 29).
Bericht Dieter Ahlborn 20.06.2010
Fotos: Peter Beilner 2001
Weitere Informationen liegen nicht vor.
Nikolaus Arndt
3.2026